Elisabeth, die erste Königin von Rumänien und deutsche Prinzessin aus dem Fürstenhaus Wied, lebte von 1843 bis 1916.
Durch die Eheschließung mit Fürst Karl von Hohenzollern-Sigmaringen - einem deutschen Prinzen auf rumänischem Thron - wurde
sie 1869 Fürstin und später 1881 Königin von Rumänien. 1880 begann Elisabeth unter dem Künstlernamen "Carmen Sylva"
eigene Dichtungen in Deutschland zu veröffentlichen.
Sie schrieb in deutscher Sprache und veröffentlichte in deutschen Verlagen.
1882 bekannte sie sich zu ihrer schriftstellerischen Tätigkeit in der Öffentlichkeit. Fortan forderte sie als "dichtende
Königin" in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit.
Sie bemühte sich um literarische Legitimierung im Ausland, vornehmlich ihrem Heimatland, Deutschland. Ab 1882 ließ sie ihre Werke in
rumänischer Übersetzung in Rumänien veröffentlichen, in Buchverlagen sowie in zahlreichen Zeitungen mit hoher Auflage.
Offensichtlich ist, dass die Königin durch die dichterische Tätigkeit ihre Zugehörigkeit zur deutschen Kultur zu
akzentuieren suchte und dass sie sich durch die literarische Anerkennung im Ausland ein hohes Ansehen als
"dichtende Königin" versprach. Dennoch war Carmen Sylva zu ihren Lebzeiten eine umstrittene Persönlichkeit
- in Rumänien wie in Deutschland - und die Beurteilung der dichtenden Königin blieb bis heute kontrovers.
Das literarische Werk Carmen Sylvas geriet bald nach ihrem Tod 1916 aus dem Blickfeld von Literaturwissenschaft
und Literaturgeschichte. Während es bislang nur wenige literaturwissenschaftliche Aufsätze und umfangreichere
Forschungsarbeiten zu Carmen Sylvas Werk gibt, sind bis heute zahlreiche Publikationen zu Carmen Sylva insbesondere
aus biographischer und kulturgeschichtlicher Perspektive und meist in Bezug auf den südosteuropäischen Raum
erschienen.
Die schriftstellerische Tätigkeit Carmen Sylvas ist stark von ihrer Biographie geprägt und ihr Stil könnte
entsprechend als "Individualstil" betrachtet werden. Carmen Sylvas Werk zeichnet sich durch stoffliche
Vielfalt und persönliche Darbietung aus und nicht durch innovative Kunstfertigkeit. Ihre Dichtung ist Ausdruck
"einfacher Natur" und des Empfindens, naive Dichtung und keine Wortkunst. Sie ist autobiographische
und politische Tendenz und keine an Theorien oder ästhetischen Überlegungen orientierte Literaturpraxis.
Bezeichnend für Carmen Sylvas Werk ist vor allem die Dichterin selbst: ihre Ausnahmerolle als Königin, die durch
selbständige schriftstellerische Tätigkeit in eigener Sache, von der Repräsentation bis zur Selbstmythisierung,
an die Öffentlichkeit herantritt.
Betrachtet man Carmen Sylvas literarisches Werk nicht ausschließlich aus der
Perspektive der künstlerischen Innovation und stilistischen Individualität, sondern unter dem Aspekt der
Öffentlichkeitsarbeit durch Literatur, so offenbart das Phänomen einer dichtenden Königin in eigener und
prodynastischer Sache in unserer Zeit Modernität. "Tue Gutes und rede darüber" lautet ein bekannter
Spruch der PR-Branche. Änliches findet der Leser in vielen Texten Carmen Sylvas. Repräsentationspflicht,
Wohltätigkeit, Biographisches fließen hier ineinander. Carmen Sylvas Werk ist Teil ihres "Berufes"
und somit vorwiegend literarische Öffentlichkeitsarbeit. Durch ihre nur scheinbar selbständige, überaus produktive und drei
Jahrzehnte andauernde schriftstellerische Tätigkeit mittels derer sie regelmäßig ihre Weltanschauung zu
vermitteln sowie ihre Werbung für das rumänische Königreich und die Dynastie in Rumänien zu
propagieren versuchte, hat Carmen Sylva ein neues, modernes Verständnis des "Berufes" als Monarchengattin in der
Öffentlichkeit beispielhaft vorgelebt - ein Beispiel den ihre Nachfolgerin, Königin Maria, vervollkommnen wird.
Als engagierte und erfolgreiche Kulturvermittlerin in Europa fand Königin Elisabeth von Rumänien bereits zu
Lebzeiten Anerkennung. Selbst die sonst sehr kritische Biographin und frühere Gemeinschaftsautorin der Königin,
Mite Kremnitz, würdigt die gelungene Öffentlichkeitsarbeit der Königin:
"Wenn die rumänische Königskrone den Dichtungen Carmen Sylvas auch unzweifelhaft Glanz verliehen hat,
so gab die Königin ihrerseits dem Namen Rumäniens Schwingen der Phantasie, mit denen er weiter über
den Erdball geflogen ist, als er es ohne sie gekonnt hätte. Das positive Schaffen des Königs hat Rumäniens
Ruhm weniger verbreitet als der Dichtername seiner ersten Königin." (1903)
Erwähnens- und lesenswert (auch aus literarhistorischer Sicht) sind Carmen Sylvas "Pelesch-Märchen"
(1883), die in rumänischen Neuauflagen weiterhin erscheinen und in denen eine gelungene literarische
Symbiose deutscher und rumänischer Motive der Volks- und Kunstmärchen offenbar wird.
Neuerscheinungen der "Pelesch-Märchen" Carmen Sylvas in Rumänien seit 1990:
Zimmermann, Silvia Irina (geb. Rada): Die dichtende Königin.Elisabeth, Prinzessin zu Wied, Königin
von Rumänien, Carmen Sylva (1843-1916). Selbstmythisierung und prodynastische Öffentlichkeitsarbeit
durch Literatur, (Dissertation Universität Marburg, 2003),
ibidem Verlag, Stuttgart, 2010. Amazon
Zimmermann [Rada], Silvia Irina: Der Zauber des fernen Königreichs. Carmen Sylvas Pelesch-Märchen,
(Magisterarbeit Universität Marburg, 1996),
ibidem Verlag, Stuttgart, 2011.
Gabriel Badea-Paun: CARMEN SYLVA (1843-1916). Königin Elisabeth von Rumänien – eine rheinische
Prinzessin auf Rumäniens Thron, ins Deutsche übertragen und mit einem Nachwort von Silvia Irina Zimmermann,
ibidem Verlag, Stuttgart, 2011.